Stärken und Schwächen berücksichtigen

Wie können in einer alternsgerechten Arbeitsorganisation die Stärken und Schwächen von Jung und Alt berücksichtigt werden?
Eine alternsgerechte Organisation unterstützt sowohl jüngere als auch ältere Mitarbeiter*innen dabei, sinnerfüllt und gesundheitsförderlich zu arbeiten.

Alternsgerechte Arbeitsgestaltung – wir sind zwar alle gleichwertig, aber nicht gleich.

Stellen Sie sich folgendes altersgemischte Team vor:
Ein paar junge, qualifizierte, körperlich sehr fitte, aber betriebsunerfahrene Mitarbeiter*innen und einige Ältere, ebenfalls qualifiziert und zudem hoch erfahren. Sie sind dabei, eine Arbeitseinteilung vorzunehmen. Wenn Sie eine umsichtige Führungskraft sind, werden Sie die Aufgaben so verteilen, dass körperlich anstrengende Tätigkeiten eher den Jüngeren zugeteilt werden (z. B. Nachtarbeit, Wechselschichten mit Nachtschicht) und nicht den Älteren. Denn Sie wissen um die schlechtere Verträglichkeit von Nachtarbeit mit dem Alter und dass es für Ältere z. B. anstrengender ist, Schichtarbeit zu verrichten oder schwere körperliche Lasten zu tragen.
Sie werden aber zur Unterstützung der Jüngeren eine Assistenz durch Ältere einrichten. Die junge Mitarbeiterin bzw. der junge Mitarbeiter kann sich gegebenenfalls bei Problemen auch in der Nacht an die älteren Kolleg*innen wenden.
Wenn Sie die Arbeit so verteilen, verstehen und leben Sie alternsgerechtes Arbeiten. Denn je nach Alter sind die Bedürfnisse und Stärken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlich.
Beispiel: Starkstrommonteure im Einsatz
Beispiel aus einem Installationsunternehmen mit 20 Beschäftigten

Arbeit und Alter – Körperkraft und Erfahrungswissen

Wir wissen, dass die Körperkraft mit dem Alter abnimmt – das ist bei allen Menschen so. Der Abbau betrifft nicht nur Muskelkraft und Knochenbau, sondern beispielsweise auch Sehkraft und Gehör, Ausdauer und Erholungsfähigkeit. Gleichzeitig wächst aber im Laufe des Berufslebens der Erfahrungsschatz der arbeitenden Menschen – sowohl was fachliches Wissen als auch soziale Kompetenz anlangt. Diesen Erfahrungsschatz gezielt zu nutzen ist derzeit eine der größten Herausforderungen in der Arbeitsorganisation.
Es ist wichtig, bei Arbeitsplätzen für Ältere auf die körperliche Entlastung zu achten. Alternsgerecht bedeutet, möglichst frühzeitig Aktivitäten zur körperlichen Entlastung zu setzen – und dies sowohl bei älterens auch jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (siehe dazu auch: Unterstützende Faktoren, die die Arbeitsfähigkeit langfristig erhalten und fördern).

Darüber hinaus sollten Fähigkeiten und Fertigkeiten, die aufgrund von  Erfahrung zunehmen, gefördert und genutzt werden! So nehmen z. B. psychische, geistige und soziale Fähigkeiten im Laufe des Arbeitslebens zu, wenn sie kontinuierlich gefördert werden – vom Unternehmen sowie von den Betroffenen selbst.
 

  • Man lernt, wenn sich Aufgaben, Tätigkeiten oder Arbeitsabläufe ändern, wenn eine neue Maschine zum Einsatz kommt oder ein neues Produkt produziert wird (Lernen durch die Tätigkeit – „Learning on the Job“).
  • Erfahrungen werden auch gesammelt, wenn beispielsweise in einem Team Tätigkeiten gewechselt werden und jede/jeder alle notwendigen Aufgaben beherrscht. Es wachsen dann sowohl fachliches Wissen aller Teammitglieder als auch soziale Kompetenzen. Wenn in diesen Teams sowohl Ältere als auch Jüngere die Möglichkeiten haben, Tätigkeiten zu wechseln und an Weiterbildungen teilzunehmen, hat man hoch motivierte und produktive Mitarbeiter*innen.
  • Alternative Arbeitsplätze mit wenig Herausforderungen (früher Schonarbeitsplätze) sind auch nicht zwangsläufig förderlich, denn sie lassen erworbene Qualifikationen oft unberücksichtigt. Mitarbeiter*innen jeden Alters sollten weiter gefordert werden und Anreize für eine ständige Weiterentwicklung erhalten. Wenn die Arbeitsplätze unter der ursprünglichen Qualifizierung der Betroffenen liegen, verlieren diese ihr Wissen, weil sie es nicht anwenden können.
  • Wenn die Arbeit als sinnvoll eingeschätzt wird und man produktiv zum Unternehmensziel beitragen kann, fördert das die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit. Auch ältere Mitarbeiter*innen wollen produktiv sein und Arbeiten verrichten, die dem Unternehmen etwas bringen – genauso wie Junge. Letztendlich trägt dies dazu bei, dass man stolz auf seine Leistungen sein kann.