Inwieweit beeinflusst Gesundheit unsere Arbeitsfähigkeit mit dem Älterwerden?
Junge Menschen haben tendenziell die Gabe, Herausforderungen unvoreingenommener anzunehmen als Ältere.
In der Arbeit ist das von Vorteil. Aber es kann auch dazu führen, dass man übertreibt, den Körper vernachlässigt oder auch überstrapaziert. So sind junge Menschen unfallanfälliger als beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lebensmitte.
Arbeit oder Sport, bei beidem kann über das gesunde Ziel hinausgeschossen werden. Ist man dann älter, begreift man spätestens bei der ersten chronischen Erkrankung, dass man nicht sorgsam genug mit seiner Gesundheit umgegangen ist.
Gesundheit kann und muss daher als Potenzial begriffen werden. Sie ist Grundlage für eine aktive Lebensbewältigung. Sie bestimmt unser privates Leben – in besonderer Weise beeinflusst sie jedoch auch unsere Arbeit. Denn Gesundheit liefert eine gute Basis für Arbeitsfähigkeit.
Natürlich können Krankheiten oder Gebrechen kompensiert werden. Und viele Menschen haben ein erfülltes Arbeitsleben, trotz Einschränkungen und Erkrankungen. Maßnahmen können dabei unterstützen, dennoch möglichst beschwerdefrei zu leben und zu arbeiten – was auch oft gelingt.
Veränderungen der gesundheitlichen Leistungsfähigkeit mit dem Älterwerden
In der Arbeitswissenschaft wird Gesundheit als körperliche und psychische Leistungsfähigkeit bzw. als mögliche Leistungsgrenze bei Belastungen definiert. Älterwerden ist jedoch ein Umbauprozess, der nur in bestimmten Dimensionen von einem Abbau geprägt ist. Siehe dazu auch die Abbildung oben.
▼ Mit dem Älterwerden abnehmend ist die körperliche Leistungsfähigkeit: Krankheiten, Gebrechen und chronische Leiden können vermehrt auftreten.
◄ ► Gleichbleibend sind die psychischen Fähigkeiten (das sind Fähigkeiten, die unser Denken, unsere Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit, aber auch den Umgang mit Emotionen betreffen).
▲ Hingegen nehmen mit dem Älterwerden beispielsweise zu: Erfahrung, Geübtheit, Urteilsvermögen, Selbstbewusstsein, Bewältigung komplexer Aufgaben, soziale Kompetenz und das Verantwortungsbewusstsein.
Werden bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen der Arbeit die körperlichen Faktoren nicht beachtet, kann dies zu einer Gesundheitsgefährdung und Verminderung der Arbeitsfähigkeit führen.
Wenn Führungskräfte Gesundheit fördern
Gute Führung ist einer der wesentlichsten Gesundheitsfaktoren. Denn Belegschaften arbeiten harmonischer zusammen und achten auch mehr auf ihre Gesundheit, wenn Gesundheit auch der Führung ein Anliegen ist. Führungskräfte sind immer auch Vorbild. Es gibt viele Führungskräfte, die sorgfältig auf ihre eigene Gesundheit schauen und dies auch bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördern. Gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen im Betrieb zu schaffen ist eine Aufgabe der Führung und kann auch nicht delegiert werden. Auch im ArbeitnehmerInnen- oder im Bedienstetenschutz ist die Fürsorgeverantwortung des Arbeitgebers für Gesundheit klar geregelt. Siehe dazu auch das Kapitel Förderung von Gesundheit.
Gesundheitsmaßnahmen: Alle müssen mitwirken
Bei allen Bemühungen des Betriebes bleibt die Verantwortung für Gesundheit zwischen der Belegschaft und der Organisation geteilt. Gleichzeitig ist Gesundheit aber nie eine reine Privatsache, sondern soll in der Unternehmensstrategie verankert sein und stellt somit einen wichtigen Teil von Führungsarbeit dar.
Vorteile aus dem Erhalt von Gesundheit haben Einzelpersonen und Unternehmen gleichermaßen. Der Nutzen jedoch ist unterschiedlich!
Nutzen für den Betrieb/die Organisation:
- Soziales Engagement durch Förderung von Gesundheit durch den Arbeitgeber hilft nicht nur einzelnen Betroffenen, sondern fördert ein gutes Betriebsklima.
- Eine Reduktion der Krankenstände vermeidet Kosten.
- Förderung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit: Jeder in Betriebliche Gesundheitsföderung (BGF) investierte Euro bewirkt einen Gewinn im Verhältnis von 1 Euro Investition zu 2,5 bis 4,8 Euro Gewinn.
- Gesundheit bedeutet auch eine höhere Qualität der Leistungen (Services), Steigerung der Kreativität und damit mehr Produktivität, das schafft einen Wettbewerbsvorteil.
- Bessere Gesundheit führt zu einer geringeren Fluktuation (verringert Kosten der Rekrutierung und der Qualifizierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter).
- Das gesundheitliche Image des Betriebes in der Öffentlichkeit steigert die Attraktivität als Arbeitgeber und schafft einen Wettbewerbsvorteil. Es zieht hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.
Nutzen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst:
- Stärkung der Verantwortung für das eigene Gesundheitsverhalten und Unterstützung, diese wahrzunehmen
- Schaffung eines allgemeinen Gesundheitsbewusstseins, das weit über die Arbeit hinausreicht
- Verbesserung von Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit
- Reduktion der Stressfaktoren
- Verbesserung des Betriebsklimas
- Steigerung von Engagement
- Erhöhung der Lebensqualität
- Bessere Work-Life-Balance