Stadtwerke München - Stress-Management und Fitness-Training
bei älteren Fahrerinnen und Fahrern im öffentlichen Personennahverkehr der Stadt München

Firma
Stadtwerke München
Unternehmensbereich Verkehrsbetriebe
Kurzbeschreibung
Die Ansprüche an die Attraktivität im Personennahverkehr steigen enorm an, gleichzeitig steigt auch das Verkehrsaufkommen im Individual-Straßenverkehr.Ein Beschleunigungsprogramm für die U-Bahn bedeutet mehr Stress für den Fahrer.
Der Fahrerberuf ist ein High-Stress-Beruf mit einem hohen Krankheitsrisiko, hohen Krankenständen sowie mangelnder Attraktivität und folglich Nachwuchsproblemen. Viele der Fahrer werden aufgrund von Fahrdienstuntauglichkeit im Alter von 49 Jahren vom Fahrbetrieb abgezogen und in den Innendienst versetzt, was sowohl unbeliebt als auch unwirtschaftlich ist.
Das Programm der Münchner Verkehrsbetriebe sollte zu einer Senkung der Fahrdienstuntauglichkeit, einer Verringerung der Ausfallszeiten, zu einer längeren Verweildauer der FahrerInnen im Fahrbetrieb, zu höherer Attraktivität sowie besserer Kundenorientierung beitragen.
Das PE-GF-(Personalentwicklungs-Gesundheitsförderungs) Programm wurde 1993 in den damals noch kommunalen Münchner Verkehrsbetrieben auf Initiative der PersonalvertreterInnen, des Betriebsarztes begonnen, wobei die Stadt München sich im Pilotzeitraum bereit erklärte, die hohen Personalersatzkosten zu tragen. Das Programm war das größte Programm in Deutschland und wird heute vom Personalmanagement in einem privatisierten Unternehmen (GmbH) weitergeführt.
Es bestand aus 20 Gesundheitstagen á 8 Stunden (ausserhalb der Schulferien) alle 12 Tage im Gesundheitspark der Münchner Volkshochschule während der Arbeitszeit bei voller Bezahlung. Jährlich wurden 96 FahrerInnen nach einem Schlüssel nach Alter + Dienstjahren zur Teilnahme ausgewählt, was zu einem hohen Durchschnittsalter im Programm mit rund 50 Jahren führte. Die Fahrer wurden in 6 Gruppen mit je 16 Fahrern von je 1 Diplompsychologen sowie Trainern je nach Übung angleitet.
Das Programm hatte 3 wirksame Hebel:
- Training
- Gruppenprozess
- Arbeitszeitreduktion
Der Aufbau der Gesundheitstage sollte erreichen:
- Höhere körperliche Kapazität und Ausdauer durch Sport/Fitness
- Reduzierter Zeitplanstress durch mentale Techniken
- Entärgerungstraining in bezug auf Verkehr und unangenehme Fahrgäste durch Rollenspiele und Erfahrungsaustausch („Ärger fördert Infarkt")
- Gelassenheit durch Selbsterfahrung und Trance
Die Evaluation bei 400 TeilnehmerInnen über 4 Jahre ergab:
- Gesundheit und Wohlbefinden deutlich verbessert
- Abnahme von Stress, Rücken- und Herzbeschwerden
- Krankenstandstage um 5 Tage pro Jahr verringert
- Fahrdienstuntauglichkeit 1993 - 2001 um 53,4% gesenkt
- 16% der TeilnehmerInnen gaben erneuerte Sinnfindung an, besserer Teamgeist & Betriebsklima
- Weniger Stress bei Einhaltung der Zeitpläne durch Entspannungstechniken
- Signifikanter Rückgang erlebten Ärgers beim Umgang mit Fahrgästen
2003 wurde das Programm von den Fahrern auch auf weitere Angestellte der Verkehrsbetriebe wie etwa Kontrollschaffner ausgeweitet. Noch immer werdn 20 Gesundheitstage pro Jahr für jede der 6 Gruppen veranstaltet, allerdings allerdings wird nun 25% der Zeit nicht mehr zur Arbeitszeit der Teilnehmer gezählt. Der Schwerpunkt hat sich von der psychischen Betreuung auf Bewegung, Training und Übungen verlagert.
Obwohl das Programm aufgrund der Personalersatzleistung hohe Startkosten hatte, ist es bis heute erfolgreich beibehalten worden.
Handlungsfeld
Arbeitszeit - Gesundheit - Kompetenz - Personalentwicklung
Qualität der Arbeit
Gemischt psychisch/körperlich Steuer- und Kontrollaufgaben, hohes Sicherheitsrisiko, Einzelarbeit, Schichtarbeit
Firmenbeschreibung
Die SWM/VB leisten den Personennahverkehr im Raum München durch 1500 FahrerInnen mittels Bus, Straßenbahn und U-Bahn. Die Arbeit wird im teilweise vollkontinuierlichen Schichtbetrieb erledigt.
Link: http://www.mvv-muenchen.de
AnsprechpartnerInnen
Frau Alexandra Disner
Münchner Satdtwerke
Tel.: 0049-89- 21912225
Dokumente
Effects of ergonomic and health training on Work Interest, Work Ability and Health
KARAZMAN R., KLOIMÜLLER I., GEISSLER H., KARAZMAN-MORAWETZ I.
in Elderly Public Urban Transport Drivers. International Journal of Industrial Ergonomics 1999
Download: mvb-Artikel.pdf (333kB)
Gesund in München! Gesund in Wien?
KIV-Spezial, Zeitschrift für die Wiener Linien - Achtung file ist 2,5 MB groß.
Download: KIV Spezial.pdf (2499kB)




