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V.l.n.r.: Dr. Helmut Köberl, Generaldirektor AUVA; Alois Stöger, Sozialminister; Eva Schrott, leitende Angestellte Bäckerei Josef Schrott; Mario Wintschnig, Head of Health & Age Zumtobel Group AG Wie die Umsetzung gesunder Arbeitsbedingungen in der Praxis gelingen kann, wurde bei der Abschlussveranstaltung der EU-Kampagne präsentiert.

„Gesunde Arbeitsplätze – für jedes Alter”: BM Stöger zieht Bilanz über die erfolgreiche EU-Kampagne

Betriebe zu informieren, wie Arbeitsplätze vom Berufseinstieg bis zur Pension alter(n)sgerecht gestaltet werden können, war das Ziel der zweijährigen EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – für jedes Alter“ der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, EU-OSHA.

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung mit über 200 auch internationalen TeilnehmerInnen im Parkhotel Schönbrunn in Wien zog Sozialminister und Kampagnen-Schirmherr Alois Stöger bei einer Pressekonferenz Bilanz über die umfangreichen Kampagnenaktivitäten. Dr. Helmut Köberl, Generaldirektor der AUVA, Eva Schrott, leitende Angestellte der Bäckerei Josef Schrott in Wien und Mario Wintschnig, MSc, Betr. Oec., von der Zumtobel Group AG, Vorarlberg, zeigten, wie die Umsetzung gesunder Arbeitsbedingungen in der Praxis gelingt.

Stöger: langfristiger Verbleib Älterer im Betrieb erfordert gesunde Arbeitsbedingungen

„Wir haben das klare Ziel, dass alle Menschen so lange wie möglich ihren Beruf ausüben können. Das ist ein wesentlicher Faktor für soziale Sicherheit, gesellschaftliche Teilhabe und der beste Schutz vor Altersarmut. Um eine langfristige Trendwende hin zum Verbleib Älterer im Beruf zu erreichen, müssen betriebliche Organisation und Arbeitsbedingungen angepasst werden – das betrifft körperlich und psychisch belastende Tätigkeiten“, so Stöger.

„Im Rahmen der EU-Kampagne sind wir bei der Bewusstmachung des Themas einen großen Schritt weiter gekommen. Jetzt geht es darum, die Umsetzung in wirklich allen Unternehmen, vom Groß- bis hin zum Kleinbetrieb, zu bewältigen. Daher lautet mein Appell an die Betriebe: Nutzen Sie die zahlreichen bestehenden Angebote wie die professionelle Beratung des Arbeitsinspektorates, der AUVAsicher oder von fit2work! Denn nur auf Basis gesunder, arbeitsfähiger Beschäftigter bleibt ein Unternehmen produktiv“, sagte Stöger weiter.

Breite Kampagnenresonanz in ganz Österreich

Im Mai 2016 startete die Informationskampagne der EU-OSHA in Österreich. An der durch das Sozialministerium koordinierten Kampagne beteiligten sich die Sozialpartner, Sozialversicherungsträger wie die AUVA, sowie zahlreiche bekannte Unternehmen wie die Infineon Technologies Austria AG, die OMV, die SIMACEK Facility Management Group GmbH und die Josef Manner und Comp AG. Im Laufe der Kampagne fanden über 50 Informationsveranstaltungen in nahezu allen Bundesländern statt, darunter Veranstaltungen mit den Arbeiterkammern und Wirtschaftskammern sowie zahlreiche AUVA-Veranstaltungen. Ein wesentliches Ziel war es, bestehende Programme und Tools bekannter zu machen, die Unternehmen bei der Umsetzung alter(n)sgerechter Arbeitsbedingungen unterstützen. So etwa ein Merkblatt für Alternsgerechte Arbeitsgestaltung, das über die Homepage der Arbeitsinspektion zur Verfügung steht, die Website arbeitundalter.at, den Altersstrukturcheck der AUVA oder das Beratungsprogramm für Betriebe und Personen fit2work und das Gütesiegel NESTORGOLD.

Die VertreterInnen der Initiative Arbeit & Alter präsentierten bei der Abschlussveranstaltung der EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze für jedes Alter“ den Imagefilm „Alternsgerecht Arbeiten in der Praxis“. Beim Round Table Gespräch berichteten sie über die erfolgreichen Veranstaltungen in den Bundesländern zur Verbreitung der Tipps & Lösungen zu alternsgerechtem Arbeiten in den vergangenen beiden Jahren und über die Positionierung des Themas  „Alternsgerechtes Arbeiten“ in  Unternehmen und Belegschaftsvertretungen.

An die EU-OSHA-Kampagne knüpfte die AUVA mit ihrem Präventionsschwerpunkt 2016/17 zu alternsgerechter Arbeitsgestaltung mit Informationsveranstaltungen, Seminaren für Führungskräfte und Betriebsberatungen an. „Im Rahmen der Kleinbetriebsbetreuung wurden durch AUVAsicher rund 35.500 Betriebe zum Thema ‚Alter(n)sgerechtes Arbeiten‘ informiert. In rund 14.200 Betrieben wurden bereits Maßnahmen zur alter(n)sgerechten Arbeitsgestaltung umgesetzt“, so Dr. Helmut Köberl, Generaldirektor AUVA.

Österreichisches Unternehmen von EU ausgezeichnet

Über den Good Practice Award, der im Rahmen der Kampagne von der EU-OSHA vergeben wurde, durfte sich der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel Group AG als einer von neun Preisträgern aus EU-Ländern im April 2017 freuen. Die Zumtobel Group AG hat eine eigene Abteilung Health & Age eingerichtet, um die Herausforderungen einer alternden Belegschaft zu bewältigen. Die getroffenen Maßnahmen reichen von einer ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und Sportangeboten über Betriebliches Eingliederungs-Management und Generationenmanagement. „Der Preis der EU-OSHA ist eine Bestätigung unserer Arbeit zum Wohl unserer Kolleginnen und Kollegen“, so Mario Wintschnig, Head of Health & Age Zumtobel Group AG. „Seit der festen Einrichtung des Themas ‚Health & Age‘ haben wir zahlreiche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Unter anderem sind seit 2015 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach längerer, krankheitsbedingter Abwesenheit wieder erfolgreich in ihren Job eingegliedert worden.“

Dass ältere MitarbeiterInnen mit ihren Erfahrungen wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen können, betonte Eva Schrott, leitende Angestellte der Bäckerei Josef Schrott in Wien. „Unter unseren 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind derzeit 13, die 50 Jahre oder älter sind. Diese haben jahrelang, oft auch jahrzehntelang in ihrem Beruf gearbeitet und damit jede Menge Erfahrungen gesammelt, die sie bei uns dann im Sinne der Firma einsetzen können.“ Um die körperlich anstrengende Arbeit in der Bäckerei für Jung und Alt bestmöglich zu gestalten, setzt man auf Maßnahmen wie etwa Rohrleitungen, durch die das Mehl aus Silos in die Backstube kommt, um so das Tragen schwerer Mehlsäcke zu vermeiden.

Internationaler Erfahrungsaustausch

Die Abschlussveranstaltung mit über 200 TeilnehmerInnen stand im Zeichen des internationalen Erfahrungsaustausches. ExpertInnen aus Finnland, Schweden, den Niederlanden und Deutschland lieferten Einblicke in internationale betriebliche Herangehensweisen bei der Umsetzung der Kampagne. Ein Roundtable mit VertreterInnen der Sozialpartner, der AUVA und des Sozialministeriums zeigte erreichte Meilensteine, aber auch Verbesserungspotentiale auf.

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