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Verbund Austrian Hydro Power AG

Wettbewerbstauglich durch Qualifizierungsoffensive 2000

Name des Unternehmens

Verbund Austrian Hydro Power AG
- ein Unternehmen des Verbundkonzerns

Branche

Energieversorgung

Kurzbeschreibung des Projekts

Die Liberalisierung des Strommarktes bedingte einen enormen Kostendruck und führte zu umfangreichen Reorganisationen. Mit der Kostenreduktion war in erster Linie eine Personalreduktion verbunden. Die gleiche Leistung musste von einer beträchtlich geringeren Zahl an Mitarbeitern vollbracht werden, d.h. die Mitarbeiter mussten mehr, veränderte und zusätzliche Aufgaben übernehmen.

Die Mitarbeiter waren im Betriebsbereich Donau mehrheitlich über 45 Jahre, weil im Stromproduktionsbereich seit einigen Jahren keine Neuaufnahmen mehr erfolgten. Die damit "automatisch" alternde Belegschaft wurde dadurch vor beträchtliche Neu- und Mehraufgaben gestellt.

Um dieses Mehr an Aufgaben bewältigen zu können, wurde ein Pilotprojekt zur Qualifizierung der Mitarbeiter gestartet - mit der Perspektive seiner Ausweitung im Unternehmen.

"Qualifikation 2000" wurde in einem ersten Schritt für den Betriebsbereich der Donau, in einem zweiten auch für den Instandhaltungsbereich der Donau durchgeführt. Daran beteiligt waren insgesamt ca. 550 Mitarbeiter.

Diese Personal- und Qualifizierungsoffensive sollte einerseits den persönlichen Qualifizierungsbedarf unter Beteiligung der jeweiligen Mitarbeiter erheben, andererseits konnten so für den Fall von Nachbesetzungen auch gleichzeitig Arbeitsplatzbeschreibungen mit Anforderungsprofile erstellt werden. Gleichzeitig war es möglich die in Kollektivvertragsvereinbarungen festgeschriebene "Qualifizierungsförderung zur Beschäftigungssicherung" mit dem Projekt zu verknüpfen.

Die Organisation der Qualifizierungsoffensive erfolgt im Betriebsbereich Donau über "Moderatoren", die bereits im Qualitätsprozess ausgebildet und eingesetzt wurden. Es gab Workshops zur Abklärung von Fragen der Personal- und Organisationsentwicklung mit Betriebsingenieuren, Meistern, Sprechern der Facharbeiter und Helfer, Standortbeauftragte, Teamleitern. Diese aus dem Kreis der Mitarbeiter stammenden Moderatoren hatten mit ihren Kollegen Stellenbeschreibungen und Anforderungsprofile zu erstellen. Dies ergab den individuellen Qualifizierungsbedarf aus der Sicht des Mitarbeiters selbst sowie für die Rekrutierung. Im Instandhaltungsbereich wurde die Analyse durch die Teamleiter durchgeführt.

Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Fähigkeit zur Verzahnung verschiedener Hierarchieebenen gelegt, sowie auf eine Ausgewogenheit zwischen fachlichen und sozialen Kompetenzen. Die Führungsebene der Meister, Betriebsingenieure und Betriebskaufleute wurde über Workshops seitens des Personalmanagements einbezogen.

Abgeleitet von den erarbeiteten Anforderungsprofilen ergaben sich folgende konkrete Qualifikationsmaßnahmen:

  • PC als Werkzeug
  • Hydraulik im Kraftwerk (Grundlagen und Anwendungen)
  • Sicherheit in der Elektrotechnik
  • Erwerb von Berechtigungen (Kran, LKW)
  • Schweißen, Abfallbewirtschaftung
  • Grundlagen der Betriebswirtschaft
  • Umschulungsprogramme für Helfer zu qualifizierten Helfern.

Bei der Qualifizierung älterer Mitarbeiter spielt das "Entlernen" ehemals bewährter Strategien eine wichtige Rolle. Dieses "Entlernen" ist keineswegs nur ein kognitiver, sondern durchaus ein emotionaler Prozess. Um sichere Pfade wie Autorität, Hierarchien und unflexible Geisteshaltungen, die besonders in staatlichen und staatsnahen Einrichtungen mitunter gut verankert sind ("das haben wir immer so gemacht"), zu verändern müssen Alternativangebote gemacht werden: Aufwertung von Erfahrung und sozialer Kompetenz, Ausschaltung von altersdiskriminierenden Einstellungen und Haltungen, Förderung von kooperativen und kommunikativen Arbeitssituationen.

Soll dieser Sprung in Neues gelingen, dann braucht es einer Reihe von Maßnahmen, um den älteren Mitarbeitern Sicherheit, Anerkennung und neue Chancen zu eröffnen.

Weiters wurde klar, dass die EDV-gestützten Instrumente des Wissensmanagements nicht das gesamte Erfahrungsspektrum erfahrener Mitarbeiter abdeckten. Pensionierte Mitarbeiter wurden als Konsulenten gewonnen.

Das Projekt hat sowohl bei den MitarbeiterInnen als auch beim Management Anerkennung und Zustimmung gefunden. Aber auch die Unternehmensergebnisse bestätigen somit den Erfolg der Maßnahmen.

Handlungsfelder

Weiterbildung, Arbeitsorganisation, Arbeitsprozesse

Art der Tätigkeiten

Psychisch und sozial

Firmenbeschreibung

Der Verbund ist der größte Stromproduzent und Stromtransporteur Österreichs. Die Stromproduktion stammt zum größten Teil aus Wasserkraft. Unter anderem werden an der Donau neun Großkraftwerke inkl. Infrastruktureinrichtungen betrieben. Dieses Unternehmen hatte bis Mitte der Neunziger Monopol-Position und ist durch die Liberalisierung massiv herausgefordert.

Bundesland:
Wien
Adresse:
Am Hof 8a
1010 Wien
Homepage:

www.verbund.at

E-Mail:

information@verbund.com

Weitere Informationen

Qualifizierungsoffensive 2000 in einem Unternehmen der österreichischen Elektrizitätswirtschaft
aus: "Ältere Arbeitnehmer/innen - Last oder Ressource", Gregor Fasel & Norbert Kailer, WIFI Schriftenreihe Unternehmensführung, 2001

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