www.arbeitundalter.at

Arbeitsgestaltung nach Fähigkeiten

Zugegeben: Eine Neugestaltung und Anpassung der Arbeit an die Fähigkeiten der MitarbeiterInnen erfordert Engagement. Soll die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen in Zukunft jedoch erhalten bleiben, ist die Integration älterer ArbeitnehmerInnen unablässig.

Und: Sie lohnt jedenfalls. Wird die Arbeit an die jeweiligen Fähigkeiten und Stärken der MitarbeiterInnen angepasst, ist dies eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Ilmarinen/Tempel (2002, 239-241) haben vom amerikanischen Wissenschafter Spirduso folgende Vorschläge für eine Anpassung der Arbeit an die Bedürfnisse alternder Belegschaften übernommen:

Eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke, verminderte Elastizität von Sehnen und Bändern

  • Vermeiden von Jobs mit folgenden Anforderungen:
    Aktivitäten mit angehobenen Armen, länger dauernde ungewöhnliche Körperhaltungen, verdrehte Wirbelsäule, Arbeiten mit erheblicher Verbiegung des Handgelenks, um Kraft mit Hilfe von Werkzeugen auszuüben.
  • Beachte: Positionierungen von Gegenständen, Kontrollgeräten, Bildschirmen, um verlängertes Verbiegen der Körperhaltung, Vorbeugen und Bücken zu minimieren.
    Die Maschinenausrüstung in Fahrzeugen oder im Büro soll an die individuellen Körpermaße angepasst werden.
    Gestaltung der Sitze, um Vibrationen zu vermindern.
    Niederfrequente Vibrationen (Lastwagen, Baugeräte, Werkbaugeräte).
  • Vermeide größere Belastungen der Handgelenke beim Ausführen von Arbeiten.

Nachlassen der Kraft

  • Unbedingt vermeiden:
    • Schwere Kontrollgeräte und Werkzeuge heben, senken, schieben und ziehen
    • Das Tragen und Heben von Lasten, die über 20 % der Maximalleistung eines jungen Arbeiters erfordern
    • Schnelles Heben
    • Übermäßiges Beugen, Bücken und Verdrehen der Wirbelsäule
  • Unbedingt beachten:
    • Gute Bodenhaftung für einen sicheren Stand
    • Genügend Pausen zwischen den einzelnen Arbeitsaufgaben
    • Korrekte Unterweisung der MitarbeiterInnen in "Heben und Tragen"
    • Arbeitsabläufe sollen so gestaltet sein, dass eine Last in körpernähe getragen werden kann

Verminderte physische funktionelle Kapazität

  • Beachte:
    Tätigkeiten mit erhöhtem Energieaufwand sollten nicht 0,7 (Männer) oder 0,5 (Frauen) l/min Sauerstoffverbrauch überschreiten.

Verminderte Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit

  • Defizite bei der Aufmerksamkeit, Defizite beim Gedächtnis, Schwierigkeiten bei der geistigen Umsetzung.
  • Stelle bereit: Längere Trainingsabschnitte. Ergänzung der Praxis durch schriftliche Arbeitsanweisungen. Videos, die die gewünschte Arbeitsleistung darstellen. Erhöhung der Signal-Geräusch-Relation am Arbeitsplatz. Einteilung von älteren ArbeitnehmerInnen für Aufgaben, in denen die Arbeit eher vorgesehen als in Relation geleistet wird. Aufgaben, die eine gute Mischung von Erfahrungswissen und Weiterbildung erfordern.

Sehschwächen

  • Sehschärfe, Farbensehen (blau/grün), Sehschwäche.
  • Bereitstellung von 50 % mehr Beleuchtung für Arbeitnehmer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. 100 % mehr Beleuchtung für Arbeitnehmer über 55 Jahre. Erhöhung des Kontrasts an Sichtgeräten und Messinstrumenten. Vergrößerung der Schrift und Symbole auf Monitoren und Sichtgeräten. Abbau von Blendung. Blau-Grün-Unterscheidung aus dem Signalangebot entfernen.

Hitzeunverträglichkeit

  • Vermindern von Hitzebelastung am Arbeitsplatz.

Weniger Kälteverträglichkeit

  • Aufrechterhalten von optimalen Arbeitsplatztemperaturen. Kälteschutzkleidung einführen und benutzen.

Hörverminderung

  • Erhöhen der Signal-Geräusch-Relation bei Aufgaben, die signalabhängige Anweisungen enthalten.

Höhere Häufigkeit von Lendenwirbelsäulenbeschwerden (low-back-pain)

  • Bereitstellen von Trainingsprogrammen über Prävention von LWS-Beschwerden - entsprechende Risiken bei der Arbeit. Verbreitung von Basiswissen über die Körperreaktionsmuster. Spezielle Arbeitsanweisungen, um dies zu vermeiden. Arbeitsaktivitäten so gestalten, dass Rückenbeschwerden minimiert werden. Vorbeugen von Beschwerden und Verletzungen im Freizeitbereich.

Erhöhtes Risiko für Fallen und Ausrutschen

  • Beseitigen von schlüpfrigen Arbeitswegen.
  • Fußtrittmarkierung auf Rampen. Ausreichende Beleuchtung des Arbeitsplatzes.

Langsamere Behandlung (Rehabilitation) bei Verletzungen und Erkrankungen

  • Ermöglichen von schrittweise Rückkehr zur vollen Arbeitsbelastung - Rotation zwischen leichter und schwerer Arbeit, um eine Gewöhnung an die Arbeitsanforderungen zu erleichtern. Bereitstellen von Informationsmaterial bzgl. vernünftiger Rehabilitation und Rückkehr zur Arbeit.

Höhere Arbeitsbelastung

  • Vermeiden von Arbeitshetze. Den Mitarbeitern Kontrolle über ihre Arbeitslast einräumen. Betonung der Arbeitsgenauigkeit gegenüber der Arbeitsgeschwindigkeit.

Tendenz zur Inaktivität

  • Bereitstellen eines inner- und/oder außerbetrieblichen Fitness-Programms. Ermunterung für die Mitarbeiter, von diesem Programm Gebrauch zu machen

 Quelle: Ilmarinen/Tempel 2002, 239-241; zitiert nach: Spirduso 1995.

Werden die Wünsche und Bedürfnisse Älterer ignoriert, kommt es zur Bildung eines Widerwillen-Syndroms gegen die Arbeit: „Früher ist man gerne in die Arbeit gegangen, heute geht man gerne nach Hause. Das Arbeitsleben bietet für manche keine Werte mehr, sondern nur mehr Zweck." Die Arbeit wird nicht nur als sinnleer, sondern sogar als sinngefährdend erlebt. Dies gilt übrigens im gleichen Maße auch für die Jüngeren.

Artikel weiterempfehlen